Ich wurde am 31. Oktober 1940, am Reformationstag geboren. Über ein Jahr tobte bereits der große Krieg. Mein erstes Lebensjahrzehnt erlebte ich nach der dramatischen Flucht aus Danzig mit Mutter, Großmutter und Schwester im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands – und wurde als Grundschüler wie alle anderen auch Jungpionier in der jungen DDR. Als ich zehn war, machten wir uns wieder auf die Flucht, in den Westen. Ich erinnere mich noch gut: Als wir von Mainz aus, mit 15, 16 Jahren Mitte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts zu Radtouren nach Frankreich oder Holland aufbrachen, schlug uns Hass und Verachtung entgegen. Daraus wuchsen Fragen nach dem Warum und nach den Tätern, die mit dem Nationalsozialismus die Barbarei nach Deutschland und so viel Leid über die Welt gebracht hatten. Ich wurde Journalist, weil ich dachte: Da kannst Du praktische Aufklärung leisten – jeden Tag.

Als ich 1974 in Bonn Mitarbeiter für Willy Brandt wurde, hatte ich schon einige Jahre für die Süddeutsche Zeitung aus der Bundeshauptstadt berichtet; damals war ich dort der Jüngste unter den Parlamentskorrespondenten. Der Wechsel zwischen journalistischer und politischer Arbeit bestimmte seither meinen beruflichen Weg. Es folgten Jahre als freier Fernseh-Autor für ARD und ZDF, schließlich wurde ich Reporter für das ZDF-Magazin „Kennzeichen D“. Dann rief wieder die „andere Seite“ in Gestalt von Gerhard Schröder, dem ich 1990 zunächst in die Staatskanzlei des Ministerpräsidenten nach Hannover, schließlich dem Bundeskanzler nach Bonn und Berlin folgten. Zwölf Jahre waren es schließlich, in denen ich sein Regierungssprecher war. Im Jahr 2003 zog ich noch einmal um: Diesmal nach New York, wo ich mein Land als Generalkonsul vertreten durfte. Eine aufregende, anregende Zeit.

Und jetzt? Selbst nach den Maßgaben der Rente mit 67 käme jetzt eigentlich der Ruhestand – doch ich bleibe lieber aktiv. Als Autor, Publizist , Chefredakteur des vorwärts – und als Vorstandsvorsitzender von Gesicht Zeigen.